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Main-Kinzig-Kreis - 03.01.2011 20:25 Uhr
Deutschland-Kritik vom Chef-Styler




Main-Kinzig-Kreis (dol). Politik kann durchaus stylisch sein ? diese Essenz sieht Daniel Mack (24) in der Musik von Jan Delay und vor allem in dessen Werk ?Wir Kinder vom Bahnhof Soul? (2009) begründet. Der Bad Orber Daniel Mack ist seit 2006 Kreistagsabgeordneter der Grünen und stellvertretender Frak-tionsvorsitzender. Der Musik-liebhaber studiert Jura und war zuletzt Landtagskandidat.



 



"In den 90ern des vergangenen Jahrhunderts, als Jan Delay, der eigentlich Jan Eißfeldt heißt, die Band ?Absolute Beginner? gründete, war Deutschland noch Entwicklungsland in Sachen Groove und Style. Drei Jahre nach ?Mercedes Dance? (2006) hat der Hamburger mit ?Wir Kinder vom Bahnhof Soul? (2009) seine zweite Funk-Platte und sein insgesamt drittes Solo-Album herausgebracht.



Seine Tracks gehören zu den Essentials meiner iTunes-Mediathek, sind ständige Begleiter für unterwegs und haben mich um die Jahrtausendwende mit den bedeutendsten deutschen Hip-Hop-Alben ?Bambule? und ?Blast Action Heros? politisiert.



Jan Delay ist sich über all die Jahre treu geblieben. Er ist ein politischer Mensch, kritisiert die Gesellschaft und kümmert sich um Stil und Style. Damit meint er nicht nur Klamotten, sondern alles. Auch Politik ist für ihn Style. ?Für mich hat Jürgen Trittin Style. Weil er einfach überzeugt ist und etwas vollkommen Unpopuläres macht. Er hat sich dieses Ding namens Dosenpfand ausgedacht, obwohl er wusste, er ist damit der unsympathischste Mensch der Welt. Fünf Jahre später ist klar, dass er recht hatte. Das hat Style für mich?, sagte Jan Delay der Wochenzeitschrift ?Die Zeit?.



Sein Ziel ist die Wiederbelebung des Groove der 70er-Jahre. Seine Band ?Disko No. 1? passt dazu wie die Faust aufs Auge. Fette Bläsersätze, treibender Bass und drei Background-Sängerinnen ? die zehnköpfige Band ist eben großartig und steht auf keinen Fall nur im Hintergrund.



In seinem nasalen Tonfall, der zu seinem Markenzeichen geworden ist, zeigt Jan Delay Visionen auf: ?Gib mir gutes Radio, gutes Fernsehen, gute Mode, gutes Essen, gute Clubs und ein paar fähige Idole, gib mir das alles, Digger, und wir können wetten, in 20 Jahren mach ich dir aus Bielefeld Manhattan.? Und weiter: ?Alle Jungen alle Mädchen / Woll?n auf dem schnellsten Wege in die Medien / Ja, wer was auf sich hält in diesem Land / Geht nach Berlin und wird berühmter Praktikant / Und so ergattert sich ein jeder einen Sitz / Auf der großen Milchkaffee-Rampe ins Nichts?, denn von ?100 kommt nur einer nach oben, der Rest landet bei NeunLive oder auf Drogen?. So steigt er mit seinem ersten Track in die Medienkritik ein, wirft kritische Blicke auf das ?Showgeschäft? und betreibt Deutschland-Diagnostik. Bei Jan Delay, der zu Anzügen auch gerne mal Nike-Turnschuhe trägt, kommt vieles zur Sprache: das Land, die Leute und der Zustand, in dem sich das Entertainment noch immer befindet."



 



Mehr dazu lesen Sie in der GNZ vom 4. Januar.










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